Worte an den Tod (aus: Texte VI, 1983)

Worte an den Tod

Worte an den Tod2

 

Oft denke ich an ihn, weil er so bewundernswert ist, weil er so endgültig erscheint, denn nichts kann ihn umgehen, nichts kann ihn überdauern. Es gibt viele Kämpfe mit ihm, doch am Ende bleibt er immer Sieger, weil alles was entsteht, auch irgendwann vergeht.

Und die Menschen, was wollen sie gegen ihn tun, wo doch feststeht, dass er uns eines Tages findet, um uns für einige Zeit in seinem Reich zu halten. Er ist so unüberwindlich für unsere Erdenkörper, jedoch nicht für die Seele.

Mit ihm endet alles, was das Recht hatte, entstanden zu sein, und die Erklärung liegt in ihm verborgen, die Erlösung für den Menschen auf dieser Welt zu verweilen, für einen Zustand eines Augenblicks.

Ich mag ihn, und ich weiß, dass diese Zuneigung zu ihm für einen Menschen ungewöhnlich ist, doch es ist mit den Augen der Seele gesehen eine Schande, ein Mensch zu sein. Gedanken zu haben, die nicht ausschließlich an das Leben gebunden sind, sondern im Reiche des Todes umher kreisen. Was ist das Leben im Vergleich zum Tode, was für ein Sinn steckt im Leben? Was für eine unumstößliche Tatsache beinhaltet das Leben? Jeder Mensch ist ein Sandkorn in der Wüste, und die Wüste hat nur die Aufgabe sich selbst zu erhalten. Oder ein Zeichen zu setzen?

Der Tod befreit, erlöst, verschont, entsagt, und er trennt, verbannt, reißt auseinander, ja stiehlt. Nichts kann ihn aufhalten, nichts ist so sicher und bestimmt, wie der Tod, und das ist seine Erscheinung, die ihn zum Objekt der Angst machte.

Ihn zu akzeptieren heißt ihn zu verstehen und mit ihm leben; so, wie das gesamte Leben nur ein Kampf ist, muss der Kampf mit dem Tod nicht sein, denn er kommt, wenn es Zeit ist. Wenn nicht, so spürt man nur seinen Hauch, der eine Vorahnung auf die Zeit zulässt.

Das Gesetzt des Todes ist ein Gesetz der absoluten Vollkommenheit, der unendlichen Ewigkeit.

Und der Mensch hat über Leben und Tod seines eigenen Körpers selbst zu bestimmen! Er muss wissen, wann der Zeitpunkt seines Todes gekommen ist, und es muss ihm freistehen, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen. Denn der Mensch gehört sich selbst, genau so, wie seine Seele, die unsterblich ist.

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